FRAGEN & ANTWORTEN

Was ist Typ-1-Diabetes?

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit. Das bedeutet, dass sich das Immunsystem, das in erster Linie krankmachende Keime abwehrt, gegen körpereigene Strukturen richtet. Im Fall von Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das mit der Nahrung aufgenommenen Zucker aus dem Blut in die Zellen schleust. Kann der Körper nur noch wenig oder gar kein Insulin mehr selbst herstellen, sammelt sich der Zucker im Blut an. Das führt zu Gesundheitsproblemen. An Typ-1-Diabetes Erkrankte müssen deshalb lebenslang Insulin spritzen, um Schäden zu vermeiden. 

 

Was bedeutet Früherkennungsuntersuchung auf das Risiko, Diabetes zu entwickeln?

Typ-1-Diabetes tritt vor allem dann auf, wenn bestimmte Risikogene vorliegen. Etwa ein Prozent oder zehn von 1.000 Kindern haben Risikogene für Typ-1-Diabetes. Das bedeutet jedoch noch nicht zwangsläufig, dass sie die Krankheit bekommen werden. Von 100 Kindern mit Risikogenen entwickeln nur etwa zehn Kinder bis zum sechsten Geburtstag ein frühes Stadium des Typ-1-Diabetes.
Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre deuten darauf hin, dass im Baby- und frühen Kleinkindalter ein Zeitfenster existiert, in dem sich die Autoimmunreaktion und damit die Krankheit Typ-1-Diabetes möglicherweise verhindern lässt. Um diesen Zeitraum nutzen zu können, muss man aber bereits vorher wissen, ob ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes vorliegt.
Deshalb können nun alle in Bayern, Niedersachsen und Sachsen lebenden Eltern ihr Kind bis zum Alter von vier Monaten kostenlos auf ein Risiko für Typ-1-Diabetes testen lassen. Zudem können Babys, deren Eltern oder Geschwister bereits Typ-1-Diabetes haben, – unabhängig vom Wohnort – deutschlandweit an der Freder1k-Studie teilnehmen.
Dazu sind nur einige Tropfen Blut nötig, die zum Beispiel im Rahmen des regulären Neugeborenen-Screening oder bei einem späteren Arztbesuch entnommen werden.
Sollte ihr Kind ein erhöhtes Risiko aufweisen, laden wir sie zur Teilnahme an der POInT-Studie ein, die der Entwicklung eines Typ-1-Diabetes vorbeugen soll. Unabhängig davon, ob Sie sich dazu entschließen halten wir es für sinnvoll, Ihrem Kind im Alter zwischen zwei und sechs Jahren erneut Blut abzunehmen. Denn bei diesen Folgeuntersuchungen können wir frühzeitig erkennen, ob bei Ihrem Kind wirklich ein Typ-1-Diabetes entsteht. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto schneller kann sie optimal behandelt werden.

 

Was bedeutet erhöhtes genetisches Risiko?

Im menschlichen Erbgut existieren mindestens 50 Genregionen, die mit einer erhöhten Bereitschaft, Typ-1-Diabetes zu entwickeln, in Verbindung gebracht werden. Bei der Freder1k-Studie untersuchen wir einige dieser Stellen. Aus dem Ergebnis wird eine Risikoziffer errechnet. In der breiten europäischen Bevölkerung liegt das Risiko, Typ-1-Diabetes zu bekommen, bei 0,4 Prozent. Die Blutanalyse im Rahmen der Freder1k-Studie identifiziert Säuglinge, deren Risiko bei zehn Prozent und mehr liegt. Verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt haben diese Kinder also ein mindestens 25 Mal so hohes Risiko, einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln. 

 

Wer kann teilnehmen?

Die Früherkennungsuntersuchung auf das Risiko, Typ-1-Diabetes zu entwickeln kann bei allen Kindern in Bayern, Niedersachsen und Sachsen im Rahmen des regulären Neugeborenen-Screening in den ersten Lebenstagen oder im Rahmen der jeweiligen Vorsorgeuntersuchung (U2, U3 oder U4) oder auch bei jedem anderen Kinderarztbesuch bis zum Alter von vier Monaten schnell, sicher und einfach durchgeführt werden. Aus ganz Deutschland können außerdem Babys, deren Eltern oder Geschwister bereits an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, teilnehmen – ebenfalls bis zum Alter von vier Monaten.

 

Welche Vorteile hat die Teilnahme?

Sollte bei der Früherkennungsuntersuchung festgestellt werden, dass Ihr Kind Risikogene für Typ-1-Diabetes aufweist, laden wir Sie mit Ihrem Kind ein, an der POInT-Studie teilzunehmen. Dabei soll mit Insulinpulver, das mit der Nahrung aufgenommen wird, das Immunsystem „trainiert“ und der Angriff von körpereigenen Strukturen verhindert werden. So wollen wir versuchen, dem Ausbruch der Krankheit vorzubeugen.
Unabhängig davon kann ihr Kind an weitergehenden Untersuchungen im Alter von zwei bis sechs Jahren teilnehmen. Dadurch kann ein frühes Stadium des Typ-1-Diabetes rechtzeitig erkannt und Ihr Kind von Anfang an optimal betreut und behandelt werden. So können lebensbedrohliche Überzuckerungen verhindert werden, die relativ schnell und ohne Vorwarnung auftreten können. Betroffene Kinder und Eltern werden von uns ausführlich informiert und beraten.

 

Muss ich die Früherkennungsuntersuchung bezahlen?

Nein! Die Untersuchung ist für Sie kostenlos. Sie wird aus Forschungsmitteln finanziert.

 

Wie läuft die Blutabnahme ab?

Die Früherkennungsuntersuchung für Diabetes sollte idealerweise zusammen mit dem regulären Neugeborenen-Screening stattfinden. Dabei wird der Arzt Ihrem Kind ein paar Blutstropfen aus der Ferse entnehmen und diese auf Filterpapierkarten für das Screening tropfen. Alternativ eignet sich auch Nabelschnurblut oder venöses Blut. Die Blutabnahme stellt für Ihr Kind keinerlei Gefahr oder Risiko dar. Es könnte zu einem kleinen Bluterguss, einer Schwellung oder einer Infektion kommen. Das Risiko für eine Infektion ist aber sehr gering.

 

Wie erfahre ich, ob mein Kind betroffen ist?

Falls Ihr Kind Risikogene für Typ-1-Diabetes aufweist, werden Sie innerhalb von 12 Wochen nach der Blutentnahme von uns kontaktiert und beraten.

 

Wer organisiert und wer bezahlt die Studien?

Die Freder1k- und die POInT-Studie wurden von GPPAD, der Globalen Platform zur Prävention des autoimmunen Diabetes, initiiert. GPPAD ist ein Zusammenschluss mehrerer akademischer Forschungseinrichtungen und Kliniken in Europa. Die Koordination liegt beim Helmholtz Zentrum München. Die zuständigen Aufsichtsbehörden haben beide Studien genehmigt.
Die amerikanische Stiftung Helmsley Charitable Trust finanziert Freder1k und POInT. Der Helmsley Charitable Trust ist eine Familienstiftung, die sich unter anderem in der Forschungsförderung auf dem Gebiet des Typ-1-Diabetes engagiert.

 

 

Was ist das Ziel der POInT-Studie?

POInT ist die Abkürzung für Primary Oral Insulin Trial, primäre orale Insulin-Studie. Die POInT-Studie versucht, Typ-1-Diabetes bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für die Krankheit mit einem „Immuntraining“ zu verhindern. Der tägliche Verzehr einer kleinen Menge Insulinpulver mit der Nahrung im Alter zwischen vier bis sieben Monaten und drei Jahren soll das Immunsystem an das Molekül Insulin gewöhnen und somit davon abhalten, die körpereigenen Strukturen anzugreifen.
Aus vorangegangenen Untersuchungen haben wir Hinweise darauf, dass so ein Training gelingen kann. Es gibt jedoch keine Garantie dafür.

 

Was passiert bei der Präventionsstudie POInT?

Zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr ist das Immunsystem von Kindern besonders empfänglich für neue Reize, die zum Beispiel über den Verdauungstrakt in den Körper gelangen. Kinder sammeln in diesem Zeitraum Erfahrung mit verschiedenen Nahrungsmitteln und stecken viele Gegenstände in den Mund. Dadurch lernt das Immunsystem, mit den unterschiedlichsten Strukturen richtig umzugehen. Kinder mit Typ-1-Diabetes-Risikogenen sind in genau dem gleichen Zeitraum allerdings auch besonders empfänglich für eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Deshalb ist es sinnvoll, in den ersten Lebensjahren vorbeugend auf das Immunsystem einzuwirken und damit das körpereigene Hormon Insulin zu schützen. In der POInT-Studie wollen wir das Immunsystem mit dem Verzehr von Insulinpulver trainieren und so den Autoimmunprozess verhindern.
Nimmt Ihr Kind an der Studie teil, wird es vom Alter zwischen vier und sieben Monaten bis zum Tag vor seinem dritten Geburtstag jeden Tag ein Pulver (Insulin oder Placebo) zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen. Danach werden wir Ihr Kind noch eine gewisse Zeit weiterbeobachten und untersuchen, damit wir sicher sind, dass auch nach der Behandlung keine frühes Stadium des Typ-1-Diabetes auftritt. Damit eine klinische Studie wie POInT belastbare Ergebnisse liefert, ist es zwingend nötig, die Teilnehmer in zwei Gruppen zu unterteilen. Die eine Gruppe erhält Insulinpulver, die andere ein Placebo – ein Pulver, das kein Insulin enthält. Über die Zuordnung entscheidet das Zufallsprinzip. Bis zum Ende der Studie wissen weder die Teilnehmer, noch die Ärzte und Studienkoordinatoren, wer welcher Gruppe zugeordnet ist.

 

Welche Hinweise gibt es darauf, dass ein Immuntraining funktioniert?

Erste vielversprechende Ergebnisse, dass ein solches Training mit Insulinpulver gelingen kann, wurden in einer Vorstudie, der Pre-POINT- Studie, gefunden (JAMA 2015; 313(15):1-10. doi:10.1001/jama.2015.2928). Weitere Hinweise darauf, dass das grundsätzliche Konzept eines Immuntrainings in frühester Kindheit funktionieren kann, liefert die Allergieforschung. In der kürzlich veröffentlichten LEAP-Studie entwickelten Kinder, die bis zum Alter von 5 Jahren gezielt Erdnüsse zu sich genommen haben, im Vergleich zu der Gruppe, die Erdnusskonsum vermied, deutlich seltener eine Erdnuss-Allergie. (Du Toit G et al., N Engl J Med 2015).

 

Was kostet die Teilnahme an der POInT-Studie? 

Nichts! Die Behandlung und alle Untersuchungen der Studie sind für Sie kostenlos, eventuelle Reisekosten werden erstattet. Die Studien werden aus Forschungsmitteln finanziert.

 

 

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